W E R K E  
  M U S E E N    S A M M L U N G E N    G R O S S P L A S T I K E N    .    A U S S T E L L U N G E N  
  K A T A L O G E    .    T E X T E    .    L I N K S    .    V I T A    .    K O N T A K T    .    I M P R E S S U M  
P R O F.  S P I E L M A N N    .    D R.  H E Y B R O C K    .    R O H    .    S C H N I T Z E N B A U M E R    .    Z Ö L L N E R    .    S O M M E R  
     
 




Kunsthistorisch läßt sich die Kinetik zurückverfolgen bis zu den Anfängen der abstraktkonkreten Kunst in den ersten Jahrzehnten unseres Jahrhunderts. Die unerhörte Eroberung der Bildflächen durch die Geometrie ist vom Standpunkt vieler Betrachter heute noch ein Verlust im Vergleich zu idyllischen Landschaften und schwellenden Akten... als hätte Rubens seine Bildflächen anders als in Dreiecks und Kreiskonstruktionen gegliedert! Der Schritt von der reinen Form bis zu bewegten geometrisch/abstrakten Bildelementen und dem gattungsübergreifenden Phänomen, daß das Bild plötzlich gleichzeitig Skulptur ist, der Schritt ist winzig und war zwangsläufig. Das einmal befreite Spiel der Formen fand in der Idee, daß die Formen sich miteinander und gegeneinander bewegen müßten, erst seinen Sinn. Zwischen Malewitschs Schwarzem Quadrat und MoholyNagys »LichtRaum Modulatoren« liegen keine Welten, sondern zahlreiche Brücken. Konkrete Kunst und Kinetik haben längst angedeutet, wie sehr das eine auf das andere angewiesen ist, das lebendige Wachstum auf die Ordnung der Formen und die Formen auf das, was sie belebt. Ich denke, daß hier das Geheimnis der großen Faszination von Christoph Böllingers Kunst liegt: Wie die beiden Systeme, Logik und Freiheit, sich aufeinander einlassen. Seine Werke leben aus dem reizvollen Wechselspiel von festen und beweglichen Elementen, von Schwere und Leichtigkeit, von mitunter archaischer Klotzhaftigkeit und filigranen Geflechten.
Die meisten auf Ausstellungen zu sehenden BöllingerWerke, besonders die früheren, sind von einer Zartheit, die ihnen den Charakter in die Luft gezeichneter grafischer Muster gibt. Unweigerlich wecken sie die Erinnerung an Musik, einige scheinen so bewußt und so ästhetisch komponiert wie ein Werk der Tonkunst. So mancher Titel wie »Nocturne« oder »Pavane« (eigentlich ein Tanz) verstärkt diesen Eindruck. Welche Fähigkeiten braucht man, um so etwas zu konstruieren, ästhetisches Empfinden und Phantasie im Umgang mit Material vorausgesetzt?

 
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